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Röhrenverstärker stellen für mich eine ganz besondere Faszination dar. Deshalb entschloss ich mich vor Jahren, Röhrenverstärker selber zu bauen, da die kommerziell erhältlichen entweder zu teuer waren oder nicht meinen Vorstellungen entsprachen. Nach zahlreichen Gegentaktverstärkern bin ich zum Bau von Eintaktverstärkern übergegangen und denke, daß ich weiterhin dabei bleiben werde. Eintaktröhrenverstärker bereiten mir deutlich mehr Spaß am Musikhören. Die Durchhörbarkeit und die feinen Details sind viel präsenter. Die Aussage des "ersten sauberen Watts" ist wirklich zutreffend. Dies ist für mich weitaus wichtiger als eine hohe Ausgangsleistung. Selbst mit vom Wirkungsgrad nicht gerade verschwenderisch umgehenden Lautsprechern bleibt die Leistung meistens unter einem Watt. Und wenn es mal lauter sein muß, dann reichen 10 Watt immer noch aus. Ganz wichtig hat sich dabei das Fehlen von Störgeräuschen herausgestellt. Jeglicher Brumm oder auch Rauschen ist zu vermeiden. Diese Störgeräusche verhindern, daß man sich in die Musik hineinfallen lassen kann; man bleibt dann an der Oberfläche kleben und eine gewisse Nervosität stellt sich ein. Ebenso werden feine Nuancen durch diese Störgeräusche überdeckt.

Meine Röhrenverstärker werden ohne Über-alles-Gegenkopplung ausgelegt. Ich habe damit keine Nachteile, sondern lediglich Vorteile festgestellt. Dies ermöglicht zum Beispiel einen zweistufigen Aufbau, d.h. die Treiberstufe kann entfallen. Je weniger verstärkende Stufen benötigt werden, umso besser, da jedes Bauteil wiederum seine Auswirkungen auf den Klang hat. Damit dies insgesamt gut und ohne Störgeräusche funktioniert, muß die Schaltung sauber ausgelegt werden, vor allem das Netzeil muß sehr brumm- und rauscharme Spannungen bereitstellen.

Als Röhren verwende ich Trioden oder als Trioden verschaltete Pentoden. Die als Trioden beschalteten Pentoden besitzen den entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Leistungstrioden, daß sie eine hohe Steilheit und einen hohen Verstärkungsfaktor bei gleichzeitig hoher Anodenverlustleistung und niedrigen Innenwiderständen aufweisen. Der Langzeitstabilität und der klanglichen Eigenschaften wegen liegen im Signalweg ausschließlich Folienkondensatoren mit niedrigem und über der geforderten Frequenz konstantem Verlustwinkel tan d. Hierzu gehören auch relevante Teile des Netzteils.

Was sind es noch für Eigenschaften, die den Klang eines Röhrenverstärkers definieren?

Hier sind sicherlich auch die Klirreigenschaften zu nennen, d.h. wie der Verstärker den eingehenden Signalen seine immer vorhandenen Nichtlinearitäten hinzufügt. Solange lediglich harmonischer Klirr produziert wird, der für die jeweiligen Anteile unter einer gewissen Schwelle liegt, ist dies nicht klangverschlechternd. Allerdings sollten die höheren harmonischen Anteile sehr gering bleiben, da diese mit zunehmender Intensität schnell störend wirken. Über diese Thematik läßt sich natürlich trefflich steiten, aber entscheidend ist wiederum, wie es der jeweilige Hörer empfindet. Ebenso ist auch kein Verstärker losgelöst von der ihn umgebenden Wiedergabekette, sondern bildet vor allem mit den Lautsprechern ein System, das in der Summe dann wieder neue Eigenschaften als die der jeweiligen Einzelteile besitzt. Andere Eigenschaften abseits des Meßgeschehens am Normlastwiderstand sind schon schwieriger zu fassen. Warum klingt Verstärker A trotz sehr guter Meßwerte trotzdem schlechter als Verstärker B? Warum wippt der Fuß nur bei B mit und bei A fehlt etwas, der musikalische Fluß stimmt in irgend einer Weise nicht? Diese Fragen sind nicht so einfach zu beantworten. Vielmehr ist es auch nicht immer nötig, alles mit Zahlen belgen zu wollen. Wichtig ist, wie gesagt, daß der Spaß am Musikhören mit dem Verstärker B da ist. Und genau das ist bei mir mit dem hier vorgestellten Konzept der Fall.

Nicht zuletzt gefällt mir bei Röhrenverstärkern ein extravagantes Äußere. Ich benutze am liebsten warme Materialien wie Holz. Diese lassen sich immer gut in das Raumkonzept integrieren. Abseits vom normalen Verstärker Allerlei gefallen mir hierbei auch nicht alltägliche Designs.